Montag, 25. Juli 2016

Mama, I need to kotz - Was ich in London als Mutter lernte {Lucie Marshall}

Na? Bock auf Frühstück? In der einen Hand ein Pappbrötchen, in der anderen einen überbrühten, labbrigen Kaffee, dazu noch eine Stunde Zeitverschiebung, die einen durch den Tag wanken lässt wie einen Leichtmatrosen auf hoher See, um dann nach einem langen Arbeitstag in ein anonymes Hotelzimmer zu stoplern, das zwar den Preis einer Luxussuite hat, sich aber leider als dunkles Dusch-Klo mit angeschlossener Schlafgelegenheit heraussstellt.

Nee? Nichts für euch?
Naja, lasst euch erstmal drauf an, das kann schon seinen Reiz haben.

Lucie Marshall berichtet von ihrem Schritt aus Berlin nach London zu gehen. Das samt vierjährigem Kind und ohne Kontakte, die einem bei Kitaplätzen und Co. helfen könnten. Doch überlegen musste sie nicht. Einfach mal "JA" hat das Adrenalin in ihren Adern geschien. Zeit für eine Veränderung, einen neuen Schritt, ein Abenteuer!

Lucie ist Bloggerin und kennt sich aus, mit Witz interessant zu schreiben. Dabei bleiben ihre Erzählungen immer authentisch. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, verschweigt uns keine Einzelheit von ihrem Chaos, gibt uns Ratschläge und teilt uns Erleuchtungen mit.

Das Buch liest sich super schnell weg. Es ist übersichtlich und in einer relativ großen, gut lesbaren Schriftart. Ihr Schreibstil ist lässig. Es kommt euch vor, als würdet ihr mit eurer besten Freundin chatten oder Selbstgespräche führen. Kein hochgestochenes Deutsch, sondern einfach ein freundliches Losplappern entspringt diesem Buch.

Große Kapitel durchziehen das Buch. Dabei ging es an die zehn Unterkapitel jeweils. Alle haben aber einen Titel. Das macht alles übersichtlich und interessanter als "Kapitel 1", "Kapitel 2" usw. Es gibt also
"Am Anfang war der Ort"
"Wer zuerst lacht, lacht am längsten"
"Who am I?"
"Happy Endings"
"Der Blick zurück nach vorn"

Ich will euch nicht zu viel verraten. Geht sie wieder zurück oder bleibt sie in London? Wie ergeht es ihr da und was hält ihr Sohn Sam davon?

Das Buch bekommt auf jeden Fall meine eindeutige Leseempfehlung. Man kann es super zwischendurch lesen und ich wage zu behaupten, dass man sogar parallel zu einem schweren Roman diese Geschichte zwischendrin hervorholen und verfolgen kann.

€ 8,99 [D]
€ 9,30 [A] | CHF 12,50*
(* empf. VK-Preis)
Taschenbuch, Broschur ISBN: 978-3-442-17548-2                   
                                            Erschienen: 20.06.2016                                            

Mehr Infos [hier].


Samstag, 23. Juli 2016

Triumph der Musik {Tim Blanning}

Der Triumph von Musik erstreckt sich über die Jahrhunderte. Das Buch spezialisiert sich nicht auf eine Musikrichtung, auf eine Epoche oder einen Künstler... Es deckt alles ab, was Musik zu bieten hat: verschiedene Orte, verschiedene Künstler, und und und

Die Schrift ist sehr klein, das erlaubt auf den Taschenbuchseiten eine Menge von breit gefächerten Informationen.
Richtig sicher bin ich mir nicht, ob man das Buch eher quer oder von vorne nach hinten liest. Ich selbst habe immer die Seiten herausgesucht, die in diesem Moment interessant für mich waren.

Triumph der Musik: von Bach bis Bono ist ein Sachbuch, was man ohne Weiteres wie einen Roman von vorn bis hinten lesen kann. Die verschiedenen Kapitel beinhalten die Themen Status, Sinn und Zweck, Orte und Räume, Technik und Emanzipation. Die Informationen sind logisch aufgebaut und geben das wieder, was nicht jeder kennt, sondern was hinter der Materie steckt. Wie entwickelte sich die Musik, wie kam sie in die Konzerthallen, warum gibt es verschiedene Formen von Konzerten?

Das Buch kann Musikinteressierten durchaus empfohlen werden, denn es schafft es, geschichtslastiges auf eine leichte Art an den Mann zu bringen.

Freitag, 15. Juli 2016

Amandas unsichtbarer Freund {A. F. Harrold}

Mehrere Erzähler in einer Geschichte können gut gehen. Hier ist es gelungen.
Ein Buch über Freundschaft, Gemeinschaftssinn und Fantasie.
 
Zugegeben, die Bilder in diesem Buch sind schon irgendwie gruselig. Für meine Begriffe jedenfalls. Da hätte man ruhig anders zeichnen können und ein bisschen Farbe wäre auch nicht schlecht gewesen. Im Buch selbst geht es allerdings auch ein wenig gruselig zu. Unsichtbare gibt es dort und und und. Schon zum Fürchten, aber es gewinnt Gut über Böse.
 
Trotzdem ist es vielleicht nicht für jedes Kind ein geeignetes Buch. Ein bisschen Abenteuerlust sollte man haben, Mut, sich nicht fürchten und dann kann es losgehen:
 
Rudger sitzt auf einmal in Amandas Schrank. Rudger ist ihr Freund. Ihr imaginärer Freund. Aber das macht nichts. Auch Erwachsene haben manchmal imaginäre Freunde. Aufregend und herzlich ist diese Geschichte, in der Rudger bald zum Helden wird, da er über sich selbst hinauswächst. Diese wunderbare Freundschaft ist anders als die, die Amandas Schulfreunde haben. Draußen spielen, die Kleider mal so richtig dreckig machen, ein Lager im Garten bauen und viele wunderbare Abenteuer erleben- das ist das, was Amanda mit ihrem neuen Freund kann. Nur Amanda sieht ihn, bis Mr. Bunting auftaucht. Um diesen rankt sich eine Geschichte. Doch was hat er nur zu verbergen?

 
Mai 2016
Heyne Verlag


Dienstag, 12. Juli 2016

Mord und Intrigen: Das Opfer von Angel Court {Anne Perry}



Unter dem Titel "Das Opfer von Angel Court" konnte ich mir erst gar nicht richtig etwas vorstellen. Nungut, es klingt nach einem Krimi und das ist es auch. Dabei spielt es in London im Jahre 1898.
Normalerweise bin ich skeptisch gegenüber solchen Geschichten, die nicht im Hier und Jetzt passieren. Ich habe mich trotzdem herangetraut. Der Schreibstil war nicht schlecht, aber richtig vom Hocker gehaun hat mich das Buch nicht.
Es geht um eine Predigerin. Ursprünglich ist Frau Delacruz Spanierin. Die Geschichte verläuft aber in London, wo Sophia versucht Fuß zu fassen und Vorträge hält. Dabei gehen die Meinungen über sie auseinander. Plötzlich ist Sophia verschwunden. Wie aus dem Nichts kann man sie nicht mehr finden, dabei sollte doch für ihre Sicherheit gesorgt werden. Hat etwa Thomas Pitt etwas damit zu tun? Der Chef, bei dem sie eigentlich unter Staatsschutz stand und von ihm beschützt werden sollte? Er nimmt zwar die Ermittlungen auf und sucht überall nach Sophia und Spuren, die ihn zu ihr führen, doch ist das vielleicht alles nur Schein zur Tarnung? Ein detailliertes und verwobenes Intrigennetz scheint aufzufliegen - und darin verwickelt: das ganze Land.
 
 
 
Das Buch hat sich etwas schleppend gelesen. Das mag daran liegen, dass sich viele Teile wiederholen. Die christlichen Glaubenstheorien, die Sophia predigt erscheinen wiederholt, wenn Thomas Pitt sich Gedanken dazu macht. Das macht das gesamte Buch zu schwer und denklastig.
Schade ist es auch, dass man das Ende erahnen kann. Wer ist Täter und welches Motiv veranlasste den Täter dazu? - Die Antwort ist nicht schwer zu erraten. Zwischenzeitlich hofft man noch auf eine Wendung, aber diese kommt nicht und somit fehlt der Geschichte der Reiz.
 
Fazit: kommt nicht richtig ins Rollen, könnte mehr "Leben" vertragen.

Sonntag, 10. Juli 2016

Lucy Dillon: Im Herzen das Glück

Ein wunderschönes Buch, was man sich als Sommerlektüre durchaus vornehmen kann ist "Im Herzen das Glück". Es handelt von Libby, die aufs Land gezogen ist und dort ein Familienhotel mit umbaut. Bald lässt sie eine Unbekannte im Hotel bleiben, ohne zu wissen, dass sich dadurch vieles in ihrem Leben verändern wird.