Donnerstag, 12. Mai 2016

Sie fanden die Liebe und redeten nie wieder ein Wort miteinander: Anna und Armand

Ein Buch, was geschrieben werden will - oder auch nicht?
Ich glaube es weiß es selbst nicht so genau.
 
Es erzählt eine wahre Geschichte. Ein Thema, über das keiner sprechen will. Eine Geschichte über eine Großmutter und einen Großvater, die sich letztendlich die Enkelin entschlossen hat niederzuschreiben. Eine Erinnerung, kein historisches Werk.
 
So richtig weiß man am Beginn nicht, was einen erwartet. Die Anmerkung der Autorin sowohl als auch das Vorwort sprechen nichts direkt aus und lassen einen im Dunkeln. Wir wissen nur, dass es Überwindung gekostet hat, eine "Geschichte über ein Schweigen" zu schreiben, doch "wie bricht man ein fremdes Schweigen"?
 
Anna und Armand überlebten gemeinsam den zweiten Weltkrieg und kauften 1948 ein altes Steinhaus in Südfrankreich.

"Sie fanden die Liebe. Sie überlebten. Und sprachen 50 Jahre kein Wort mehr miteinander."

Wenige Jahre später verlässt Anna ihren Mann samt Schreibmaschine und Kinder, danach sehen oder sprechen sie sich nie wieder, abgesehen von einer kurzen Begegnung.
 
Was sie damals auseinandergebracht hat, weiß keiner. Nie haben die beiden mit irgendwem darüber geredet. Doch auch nie haben sie wieder eine neue Liebe gefunden.
 
 
In dem Buch folgen wir Miranda Richmond Mouillot, der Enkelin von Anna und Armand, auf dem Weg zu den Wurzeln dieses geheimnisvollen Schweigens. Als Anna die erste Fassung des Textes zu lesen bekam, sagte sie: "Mirandali,  das ist jetzt so lange her, wer kann sich noch erinnern?"
Doch Miranda hat es probiert und wir folgen ihr gemeinsam beim Erkunden dieser berührenden Geschichte.
 
 
Was direkt auffällt ist die liebevolle Gestaltung des Buches – es gibt immer wieder eingestreute Bilder der Großeltern, deren Geschichte die Autorin nach und nach zusammenträgt, Zeichnungen von den Orten, wo sie sich befunden haben und auch ein Zeitstrahl, der die verschiedenen Stationen der gemeinsamen Liebe aufzeigt. Das Buch selber hat 21 Kapitel mit einer angenehmen Kapitellänge, mal erzählt die Autorin von eigenen Erlebnissen – sowohl aus ihrer Kindheit mit Erinnerungen an ihre Großeltern, aber auch, was sie in der Gegenwart bei ihren Recherchen erlebt -, dann wieder stehen eher die Erlebnisse der Großeltern im Vordergrund. Gerade in der zweiten Hälfte des Buches gibt es auch immer wieder Zitate der Großeltern von dem, was sie ihrer Enkelin erzählt haben. Und so setzt sich nach und nach das Puzzle um die Ereignisse zur Zeit des zweiten Weltkrieges und danach zusammen.
weitere Infos und einen Blick ins Buch gibt es [hier]



Es soll an dieser Stelle nicht gespoilert werden, denn es macht das Buch aus, dass man sich mit auf dem Rechercheweg befindet. Daher ist die Geschichte auch nicht wirklich einem Genre zuzuordnen. Es ist kein reiner Roman, immer wieder fließen Recherchevorgänge mit ein und werden Zitate eingeflochten, die Großeltern zu sagen pflegten. Damit springt man immer zwischen verschiedenen Zeiten, was einem zuerst bewusst sein sollte. Die Authentizität kommt dadurch aber auf jeden Fall sehr gut zum Vorschein. Allerdings spricht hier ja die Enkelin zu uns und somit bleiben uns die Gefühle ihrer Großeltern überwiegend verborgen. Die Geschichte packt einen, die Personen eher weniger. Dafür stellt man sich aber umso mehr auf die Autorin ein und kann genau nachvollziehen, wie verzweifelt sie manchmal ist, wenn die Nachforschungen stocken.
In den gemeinsamen Jahren, die Anna und Armand in Südfrankreich zusammen wohnten, ist etwas vorgefallen, was mit dem zweiten Weltkrieg zu tun hat. Durch dieses Ereignis erwachte Bitterkeit zwischen beiden Liebenden und brachte Schweigen über die Betroffenen.
 
Es ist ein lesenswertes Buch, was ich denjenigen empfehle, die generell an der damaligen Zeit interessiert sind. Es kommen Aspekte zum tragen, die man sich so noch nicht vor Augen geführt hat.

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