Donnerstag, 3. Dezember 2015

Knallharte Wahrheit statt weihnachtlicher Kitsch: Rosaleens Fest

Ja, das Buch passt zu Weihnachten. Weil die Familie sich endlich wieder treffen will (?) und ein letztes Weihnachtsfest gemeinsam verbringen möchte.
 
Nein, das ist kein typisches Weihnachtsbuch. Nichts mit Idylle, Friede, Freude, Eierkuchen. Das Buch ist erdrückend, regt zum Nachdenken an und schildert auch mal ganz unverblümt Familienbeziehungen, die alles andere als harmonisch sind.
 
Wir lernen aus der Sicht des Erzählers die Lebenswege der einzelnen Kinder von Rosaleen kennen: Dan, Hanna, Emmet und Constanze.
Somit schlüpfen wir irgendwie in jede Person selbst hinein, können ihre Reaktionen nachvollziehen und betrachten die ganze Situation aus verschiedenen Blickwinkeln.
Gerade so eine drückende aber dennoch bewegende Geschichte, möchte gut erzählt sein, sodass wir uns trotzdem flüssig und schnell durch das Buch lesen. Das schafft die Autorin sehr gut. Auch beschönigt sie nichts, was dem Buch gut tut.
 
Wir erfahren über die Vergangenheit und die Gegenwart. Das Buch hat zwei Teile, wobei man zunächst in einem Zeitraum über 25 Jahre erfährt, welchen Weg die Kinder gegangen sind. Keiner scheint wirklich das Glück gefunden zu haben, obwohl doch alle aus dem Grund von Rosaleen fort sind, weil sie es dort einfach nicht mehr ertragen haben. Ihre Mutter tritt als verbiesterte Frau auf, der man es einfach nicht recht manchen kann. Sie sitzt seither zu Hause und wartet quasi darauf, dass etwas passiert.
 
klick zum Buch
 

 
Rosaleens Fest
 Anne Enright
ISBN:  978-3421047007
Seiten: 384
Verlag: DVA
Erschienen: 9. November 2015
Preis: 19,99 €  gebunden


Es kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest im irischen Ardeevin. Rosaleen hat vor, das Familienhaus zu verkaufen. Hier schlummerten alle Erinnerungen, schön und grässlich. Es trifft sich die Familie wieder und wie es immer so ist, glauben alle fest an eine Versöhnung. Doch es endet wie jedes Jahr.
 
"Rosaleens Fest" ist ein richtig gutes Buch zu Familiengeschichten. Kein Kitsch, keine Traumwelt. Knallharte Wahrheit.
Kann man sich von seiner eigenen Mutter komplett lösen? Möchte man das wirklich, auch wenn man weiß, dass man es eigentlich (?) möchte?
Verkrampfte Weihnachtsfeste, geheuchelte Harmonie, dann doch Streitereien und am Ende eine Mutter, die "verschwindet".

Spannung entsteht in der Geschichte durch das Aufklären der Familienverhältnisse sowie auch durch das Interesse, wie das Fest wohl verlaufen wird.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen